Kaiser mit 18 Jahren:

Der Beginn einer langen Regentschaft

Gerade einmal mit 18 Jahren übernahm der Habsburger die Thronfolge im Jahr 1848, einer Ära der Revolution, in der die Bürger demokratische Rechte einforderten. Das absolutistisch regierende Kaiserhaus musste sich behaupten. Franz Joseph I. stabilisierte die innen- sowie außenpolitische Situation und regierte 68 Jahre.

Ein Alltag voller Disziplin und Pflichtbewusstsein

Das tägliche Leben des Staatsoberhauptes war von eiserner Disziplin geprägt. Er stand jeden Tag um halb vier Uhr in der Früh auf. Nach einem einfachen Frühstück, meist war es eine Schale Kaffee mit Milch sowie ein paar Stück seines geliebten Gugelhupfes, widmete er sich den Akten und seiner Korrespondenz. Während seiner Regentschaft bearbeitete er knapp eine halbe Million Akten.

Ein Vorbild für das Beamtentum

Franz Joseph I. bezeichnete sich selbst als „Obersten Beamten“ des Reiches. Er galt als Vorbild für den Berufsstand, den er auch umfassend reformierte und darauf basierend das Beamtendienstrecht schuf. Genau einzuhaltende Arbeitszeiten gehörten wie der Urlaubs- und Pensionsanspruch zu den Rechten der Staatsbediensteten. Bestechlichkeit und Nepotismus wurden streng geahndet.

In einem von grünen Bäumen umgebenen Park steht eine Bronzestatue eines Mannes mit Zylinder und langem Mantel unter einem strahlend blauen Himmel mit vereinzelten Wolken.
© Michael Ellenbogen

Das schlichte Arbeitszimmer des Kaisers

Das Arbeitszimmer des Kaisers war schlicht und bildete jene Räumlichkeit, in der er sich zeitlebens am längsten aufhielt. Er füllte mit Leib und Seele seine Funktion als Vorbild aller Beamten aus, in dem er einmal sagte: „Man muss arbeiten, bis man vor Erschöpfung umfällt.“ Oft saß der berühmte Habsburger bis in Nacht über bestimmten Akten. Erledigungen verschob er grundsätzlich nicht.

Einsamkeit nach dem Tod von Kaiserin Elisabeth

Der österreichische Autor und Schauspieler Fred Hennings bezeichnete Franz Joseph I. im Band 5 seines mehrbändigen Werkes „Solange er lebt“ als vereinsamten Menschen, insbesondere nach dem gewaltsamen Tod seiner Gattin Kaiserin Elisabeth „Sissy“ von Österreich im Jahr 1898. Als äußeres Zeichen seines persönlichen Rückzuges entwickelte der Kaiser auch eine Art Pessimismus im Umgang mit anderen Menschen. In diesem Sinne äußerte er sich gegenüber einem österreichischen Diplomaten:

„Ich bin mir seit langem bewusst, wie sehr wir in der heutigen Welt eine Anomalie sind.“ Im hohen Alter fühlte der Herrscher die bevorstehenden gesellschaftlichen Veränderungen, die mit dem 1. Weltkrieg begannen. Die moderne Zeit mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts lehnte er ab und zog sich in seinem Schloss Schönbrunn zurück. In diesem Zusammenhang begann eine Art von Mystifizierung.

Der Widerstand gegen den Wandel

Er verschloss sich gegenüber allen gesellschaftspolitischen Reformen und technischen Neuerungen. Er hielt unbeirrbar am Gottesgnadentum fest. Alles Irdische interessierte ihn kaum noch. Sein ebenfalls in die Jahre gekommener Hofstaat förderte diese Entwicklung.

Ein einsamer Monarch bis zum Lebensende

Der greise Monarch entledigte sich seiner Gefühle. Fred Hennings beschrieb sein Verhalten folgendermaßen: „Er hasste nicht und liebte nicht, sondern er billigte und missbilligte, genehmigte und verwarf.“ Er wurde für Millionen seiner Untertanen zu einer unerreichbaren Größe. Der einsame Mann war ausschließlich daran interessiert das Bestehende mit aller noch verbliebenen Kraft zu erhalten.

Time Travel Tipps:

1) Schloss Schönbrunn, Schönbrunner Schlossstraße 47, 1130 Wien

2) Sisi Museum, Michaelerkuppel, 1010 Wien

3) Statue von Kaiser Franz Joseph I im Burggarten, 1010 Wien

4) Möbelmuseum Wien, Andreasgasse 7, 1070 Wien

5) Kapuzinergruft, Tegetthoffstraße 2 (Neuer Markt), 1010 Wien

Autor:

Michael Ellenbogen

Quellen:

I) Bücher:

1) Hennings, Fred, Solange er lebt. „Nehmt meine Herrlichkeit und Würde hin!“, Band 3, Verlag Herold Wien, München, 1969

2) Hennings, Fred, Solange er lebt. „Ich ärgere mich immer, wenn ich Ihre Denkschriften lese!“, Band 4, Verlag Herold Wien, München, 1970

3) Hennings, Fred, Solange er lebt. Der heiße Sommer, Band 5, Verlag Herold Wien, München, 1971

II) Internet:

1) https://ww1.habsburger.net/de/kapitel/franz-joseph-der-alternde-kaiser 13.6.2026

2) https://www.schoenbrunn.at/ueber-schoenbrunn/das-schloss/rundgang/arbeitszimmer-franz-josephs 13.6.2026

3) https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Joseph_I. 13.6.2026
 

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