Sisi und das Leben am Kaiserhof
Eine Monarchin sprengt erfolgreich die Fesseln der Etikette und damit die Zwänge des herausfordernden Hofzeremoniells der Habsburger. „Sisi“, wie die Ehefrau Kaiser Franz Josephs I. liebevoll genannt wurde, erlangte nicht nur die Filmtrilogie des österreichischen Regisseurs Ernst Marischka Weltberühmtheit.
Zwischen Freiheit und Schicksal
Die Adelige galt als außergewöhnliches Beispiel für ein selbstbestimmtes Leben, in dem sie ihre Individualität auslebte. Der Preis dafür war allerdings hoch: Ihre selbstgewählte Isolation, die Trauer um ihre erstgeborene Tocher Sophie Friederike sowie ihren Sohn Rudolf und ihre Alltagsflucht prägten die Persönlichkeit bis zu ihrem Lebensende.
Auf der Suche nach Freiheit
Die geborene Herzogin in Bayern schloss sich ab und distanzierte sich, auch räumlich, zu ihrem Ehemann Kaiser Franz Joseph I. Die Schicksalsschläge förderten ihre Rastlosigkeit, die von zahlreichen Reisen geprägt, die ihr Interesse für Kunst und Geschichte förderten. Insbesondere die griechische Antike hatte es der Kaiserin angetan.
Korfu als Ort der Erholung
Sie erlernte die griechische Sprache und fand auf der Insel Korfu gewissermaßen einen Platz der persönlichen Muse. In dem naturbelassenen Ambiente wollte sie leben, um sich körperlich und geistig zu erholen. Ihr neuer Lebensmittelpunkt sollte ein repräsentativer, im neuklassizistischen Stil errichteter Palast, das Achilleion, werden. Die Bauherrin beauftragte die italienischen Architekten Raffaele Carito und Antonio Landi mit der Planung und Errichtung ihres Refugiums.
Trauer und Verlust
Die belebende Meeresluft sowie die wohligen Glücksmomente im Schatten der unendlich scheinenden Olivenhaine ließen die Kaiserin Kraft schöpfen. Dennoch brannte der Verlust ihres geliebten Sohnes Rudolf in ihr. Sie beauftragte den italienischen Bildhauer Antonio Chiattone einer Skulptur des Kronprinzen zu schaffen, die sich heute in Mayerling befindet. Elisabeth von Österreich war eine verschlossene Persönlichkeit, die nur wenige Personen in ihrem persönlichen Umfeld zuließ.

Sisis engste Vertraute
Eine davon war der österreichische Regierungsbeamte Alexander von Warsberg, der im Zusammenhang mit der Errichtung des „Achilleions“ einen großen Einfluss vor allem durch sein Buch „Odysseische Landschaften“, welches 1878 erschien, auf sie hatte. Ebenso war ihre ständige Begleiterin und Hofdame Irma Gräfin Szátaray von Sztára und Nagy-Mihaly eine wichtige Vertrauensperson, die auch einen bestimmten Einfluss auf die Herrscherin hatte. Kaiserin „Sisi“ wählte auf Grund ihrer großen Liebe zu Ungarn mit Vorliebe Hofdamen aus diesem Land, wie eben Gräfin Szátaray, die mit 30 Jahren in ihre Dienste trat.
Sport als Lebensphilosophie
Aus gegenwärtiger Sichtweise trugen auch ständige Selbstvorwürfe dazu bei, dass Elisabeth den Wiener Hof mied und damit auch auf repräsentative Pflichten verzichtete. Vielmehr konzentrierte sie sich auf umfassende sportliche Betätigungen, die für ihr Umfeld starke Herausforderungen beinhalteten. Dazu gehörten ausgedehnte Wanderungen, die ihre mit weniger Kondition ausgestattete Begleitung oft verzweifeln ließ. Die österreichische Kaiserin ließe sich als Persönlichkeit bezeichnen, die regelmäßig ihre physischen Grenzen ausreizte. Zum täglichen Fitnessprogramm gehörten Turnübungen mit Geräten ebenso wie Fechten. Die Ausrüstung für diesen Sport kann man heute in der Hermesvilla besichtigen.
Die letzten Jahre der Kaiserin
Kaiser Franz Joseph I. ließ seine Frau gewähren. Das Verhältnis der beiden Ehepartner war freundschaftlich und Elisabeth förderte sogar die Beziehung ihres Mannes zur österreichischen Schauspielerin Katharina Schratt. Die Reisefreudigkeit der Kaiserin führte sie auch nach Genf in das berühmte Hotel Beau Rivage in dem sie mit ihrer Hofdame Irma Gräfin Szátaray abstieg. In der Stadt hielt sich auch der italienische Anarchist Luigi Lucheni auf, der von ihrem Aufenthalt aus der Zeitung erfuhr. Auf dem Weg zur Schiffsanlegestelle ermordete der Mann Elisabeth mit einer spitzen Feile. An Bord des Raddampfers „Geneve“ brach sie zusammen und verstarb wenig später in ihrer Hotelsuite.
Time Travel Tipps:
Sisi Museum, Hofburg, Michaelerkuppel, 1010 Wien
Schloss Schönbrunn, Schönbrunner Schlossstraße 47, 1130 Wien
Kaiserin-Elisabeth-Denkmal im nordwestlichen Teil des Volksgartens, gestaltet von Architekt Friedrich Ohmann und Bildhauer Hans Bitterlich, Juni 1907, 1010 Wien
Autor:
Michael Ellenbogen
Quellen:
I) Bücher:
Etzelsdorfer Hannes, Ilming, Philipp, Kaiseirn Elisabeth: Ungewöhnlich war sie zu allen Zeiten (KAISERLICHES), 324 Seiten, Verlag Kral, Berndorf, 2023
Winkelhofer Martina, Sisis Weg: Vom Mädchen zur Frau–Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof | Die erste Biografie über das Privatleben von Sisi, 352 Seiten, Verlag Piper, München, 2022
Merkle Rudolf, Sisis Weg: Vom Mädchen zur Frau–Kaiserin Elisabeths erste Jahre am Wiener Hof | Die erste Biografie über das Privatleben von Sisi, 112 Seiten, Verlag Stiebner, München, 2011
Irma Gräfn Szátaray, Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth, 144 Seiten, Jazzybee Verlag Jürgen Beck, Altenmünster, 2022
II) Internet:
https://www.geschichtewiki.gv.at.Elisabeth (Österreich)
https://de.wikipedia.org/wiki/Achilleion (Korfu)
https://de.wikipedia.org/wiki/Irma_Sztaray
https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_von_Warsberg



