Die Heine-Vehrererin flüchtete in die Welt der Poesie

Welche Dichter verehrte Sisi? Welchen Skandal verursachte das geplante Heine-Denkmal in Düsseldorf? Was sollte mit ihrer Gedichte-Sammlung passieren?

Gedichte spielten eine zentrale Rolle in Elisabeths Leben, seitdem sie ein junges Mädchen war. Auch als erwachsene Frau dichtete sie viel und betrachtete sich als „Heine-Jüngerin“. Sie kannte viele Heine-Gedichte in- und auswendig und beschäftigte sich intensiv mit dem Leben des Romantikdichters, den sie am meisten verehrte.

Sie orientierte sich an seiner Art Gedichte zu schreiben. Speziell in schwierigen Zeiten war das Dichten wie eine Therapie für sie und sie schrieb ein Poesie-Tagebuch. Heine ist immer und überall mit mir, jedes Wort, jeder Buchstabe, was nur in „Heine“ vorkommt, ist ein Juwel – Elisabeth in einem Brief an ihre Tochter Marie Valerie. Ihre jüngste Tochter riet ihr zum poetischen Tagebuch, welches 1980 veröffentlich wurde. Sisi war sehr weit vorausschauend. Sie verfügte, dass die Einnahmen aus dem Gedichtband an Asylsuchende und Verfolgte gehen sollte, was bis heute umgesetzt wird.

Hier ein Auszug ihrer Gedichte:

An die Zukunfts-Seelen – Ich wandle einsam hin auf diese Erde, Der Lust, dem Leben, längst schon abgewandt; Es teilt mein Seelenleben kein Gefährte, Die Seele gab es nie, die mich verstand. (Poetisches Tagebuch S. 214)

„Eine Möwe bin ich von keinem Land,
Meine Heimat nenne ich keinen Strand,
Mich bindet nicht Ort und nicht Stelle;
Ich fliege von Welle zu Welle.“

Elisabeths Verehrung von Heinrich Heine ging sogar soweit, dass sie dachte er würde ihr im Traum erscheinen und die Zeilen diktieren. Sie beschäftigte sich intensiv mit dem Leben von Heinrich Heine, der von 1797 bis 1856 lebte. Heine war einer der bedeutendsten deutscher Dichter und Schriftsteller des 19. Jh. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er in Deutschland angefeindet und verbrachte seine zweite Lebenshälfte im Pariser Exil.

Ziemliches Aufsehen erregte das geplante Heine-Denkmal in seiner Heimatstadt Düsseldorf. Sisi beteiligte sich finanziell daran und wollte natürlich ihrem Lieblingspoeten Tribut zollen. Heine war allerdings aufgrund seiner Aussagen ein umstrittener Dichter gewesen, gegen den antisemitische Gruppen wetterten. Sisi zog sich 1889 aus diesem Projekt zurück.

Es wurde schließlich keine Heine Statue, sondern eine Loreley-Statue errichtet. Dagegen konnte niemand etwas sagen. Wie in Heines Gedicht von der Loreley kämmt diese ihre goldenen Haare. Die Statue steht allerdings nicht in Düsseldorf sondern in der New Yorker Bronx. Der Bildhauer war Ernst Herter, der auch den sterbenden Achill auf Korfu und den Hermes vor der Hermesvilla in Wien schuf.

In ihrem Privatschloss dem Achilleion ließ sie sich eine eigene Heine-Statue anfertigen, welche in einem Tempel im Garten stand. Als ihre Tochter Gisela das Anwesen 1907 an den deutschen Kaiser Wilhelm II verkaufte, ließ dieser sofort die Statue verschwinden. Diese kam über Umwege nach Frankreich und steht heute im Jardin de Mourillon in Toulon.

Neben Heine verehrte sie auch Homer und Shakespeare. Ihr Lieblingstheaterstück war der „Sommernachtstraum“ von Shakespeare. Sie sah sich selbst als Feenkönigin Titania und die erfolglosen Verehrer wurden als Esel dargestellt.

Nach dem tragischen Selbstmord von Kronprinz Rudolf gab Sisi das Dichten auf.

Tipp von Sisi’s Amazing Journey: Um mehr Einblick in das Seelenleben der Kaiserin zu bekommen, ist das poetische Tagebuch sehr zu empfehlen.

 

 

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