Ungarn – die „Heimat des Herzens“ – Königskrönung in Budapest und die Folgen

Was bewirkte die einzige Einmischung Elisabeths in die Politik des Kaiserreichs? Was waren die Folgen des Ausgleichs auf privater Ebene? Wer war Graf Andrassy?

Kaiserin Elisabeth hasste es im Mittelpunkt zu stehen und vermied öffentliche Auftritte so gut und oft sie konnte. Nur einmal mischte sie sich in die Politik des Kaiserreichs ein – es ging um Ungarn.

Sisi fühlte eine große Nähe zur herzlichen und temperamentvollen ungarischen Seele und setzte sich ausdauernd und erfolgreich für einen Konsens ein. Sie bewunderte den Freiheitskampf der Ungarn und hielt sich lieber in Budapest als in Wien auf.

Der Ausgleich 1867 mit Ungarn war ihr ein großes Anliegen und letztendlich ihr großer Verdienst. In der Matthiaskirche in Budapest wurden Elisabeth und Franz Joseph am 8. Juni 1867 zum König und zur Königin von Ungarn gekrönt. Danach zog sie sich auch schon wieder aus der Politik zurück.

Ihre Vorliebe für Ungarn kam auch in ihren ungarischen Hofdamen und engsten Vertrauten zum Ausdruck, wie z.B. Ida Ferenczy, Gräfin Marie Festetic und später Irma Sztáray.

Sisi und Graf Andrássy – ihr ungarischer Liebhaber?

Graf Gyula Andrássy (1823-1890)

Sisi verehrte die Ungarn und deren feuriges Temperament. Sie hatte einen sehr vertrauten Umgang mit Gyula Andrássy, dem späteren ungarischen Ministerpräsidenten.

Dieser war 1848, wegen seiner Beteiligung an der ungarischen Revolution, ins Exil geschickt worden. Nach seiner Amnestie lernte er die Kaiserin 1866 bei einer Audienz kennen. Er wurde zu ihrem engsten Freund und persönlichen Berater in Ungarn.

Ihnen wurde eine heimliche Affäre unterstellt, die jedoch nie nachgewiesen werden konnte. Die Gerüchteküche ging sogar soweit zu vermuten, Marie Valerie wäre seine Tochter gewesen. Sollte es je mehr als eine Freundschaft gewesen sein, dann wurde extrem diskret vorgegangen. Bis ins hohe Alter blieb Elisabeth dem Grafen Andrássy eng verbunden.

Sie behauptete sogar mit Stolz: „Ja, das war eine treue Freundschaft, und sie war nicht durch Liebe vergiftet“, gemeint war körperliche Liebe.“ (zitiert nach Brigitte Hamann, Elisabeth – Kaiserin wider Willen S. 372)

Marie Valerie – die „Einzige“ kommt in Budapest zur Welt

Sisi und Franz Joseph mit den Kindern vor Schloss Gödöllö, 1869

Die Geburt von Marie Valerie, der jüngsten Tochter Elisabeths, hing sehr mit Elisabeths Ungarn-Leidenschaft zusammen. Zehn Jahre nach den ersten drei Kindern schenkte sie Franz Joseph noch eine Tochter, die im April 1868 in Budapest zur Welt kam. Man nahm an, dass sie Franz Joseph zuliebe als Dank für den Ausgleich mit Ungarn ein weiteres Mal ihren ehelichen Pflichten nachkam.

Marie Valerie wurde deshalb das „ungarische Kind“ genannt. Was Sisi bei ihren ersten drei Kindern, aufgrund ihrer eigenen Jugend, und der vielen Abwesenheiten vom Wiener Hof, verabsäumte, wollte sie jetzt nachholen.

Sisi kümmerte sich selbst um die Erziehung von Marie Valerie auf Schloss Gödöllö und sprach nur ungarisch mit ihr. Auf dem Landsitz unweit Budapests, herrschten ihre Gesetze, die mit Rangfragen und Protokoll, wenig zu tun hatten. Sisi vergötterte ihr jüngstes Kind und nannte es die „Einzige“. Nun konnte sie ihre Mutterrolle mit 30 Jahren endlich ausleben und darin aufgehen.

Tipp von Sisis Amazing Journey: Falls Sie einmal nach Budapest reisen, ist der Besuch von Schloss Gödöllo, nicht unweit von Budapest, sehr empfehlenswert.

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